Wissenswertes zu Hepatitis und HIV bei Patienten mit problematischem Substanzkonsum
Wissenswertes zu HIV und Hepatitis bei Patienten mit problematischem Substanzkonsum
Die Inzidenz und Prävalenz von Virushepatitiden und HIV ist bei Personen mit Substanzabhängigkeiten erhöht. Trotzdem werden sie seltener abgeklärt und behandelt als Vergleichskollektive. Gründe dafür sind unter anderem die gehäuft auftretenden psychischen Komorbiditäten und die damit verbundenen Adhärenzschwierigkeiten. In unseren spezialisierten Polikliniken sind wir darauf eingerichtet. So können wir im Setting der Opioidsubstitution oder der begleitenden psychosozialen Betreuung gleich gute Adhärenz- und Therapieoutcomeraten erreichen wie bei Nichtabhängigen. Für medizinische Evidenz in der infektiologischen Betreuung von Suchtpatienten sind wir mit unseren Forschungsprojekten und Studien besorgt. Nebst regelmässigen Auswertungen und Publikationen von eigenen Daten nehmen wir an den Schweizerischen HIV- und Hepatitis-C-Kohortenstudien teil.
Hepatitis
Hepatitis C ist die häufigste chronische Infektionskrankheit bei Drogenabhängigen. Diese Patientengruppe macht den grössten Anteil der Hepatitis-C-Patienten in der Schweiz aus. Viele Patienten und auch deren Betreuer wissen nichts von ihrer Hepatitis-C-Infektion und den Behandlungsmöglichkeiten. Hepatitis C kann in vielen Fällen erfolgreich behandelt werden, auch bei Patienten mit Substanzgebrauch. Ein intensives Betreuungssetting wie eine Methadonsubstitution oder ein längerer stationärer Aufenthalt bieten die ideale Grundlage für die Durchführung einer Hepatitis-C-Therapie. Aktiver Substanzgebrauch und Alkoholkonsum sind keine zwingenden Ausschlussgründe, eine individuelle Beurteilung sollte bei jedem Hepatitis-C-Patienten erfolgen.
pdf SSAM Empfehlungen «Hepatitis-C-Therapie bei Patienten unter Opioidsubstitution»
HIV
Drogenabhängige sind nach wie vor die zweitgrösste Risikogruppe bei den HIV-Infizierten. Sie stecken sich zwar immer weniger über intravenösen Drogengebrauch an, dafür immer mehr über sexuelle Wege. Dies wohl häufig unter Drogeneinfluss. Die Opioidsubstitution (Methadon, Heroin, Buprenorphin, Morphin) mit ihren häufigen Patientenkontakten bietet eine ideale Voraussetzung für die Durchführung einer HIV-Therapie, deren Erfolg bekanntlich eng an eine zuverlässige Medikamenteneinnahme geknüpft ist. So kann beim Bezug der Substitutionssubstanz gleichzeitig die HIV-Medikation abgegeben und deren Einnahme kontrolliert werden. Die HIV-Therapie bei Drogenabhängigen kann so nachgewiesenermassen gleich erfolgreich durchgeführt werden wie im Gesamtkollektiv der HIV-Patienten.