Poliklinik Zokl2, Zürich

Grundlagen, Ziel und Zweck
Das Zokl2 wurde 1993 im Rahmen des Versuchs zur ärztlich kontrollierten Verschreibung von Betäubungsmitteln PROVE (PROjekt zur VErschreibung von Betäubungsmitteln) für die Durchführung von heroingestützten Behandlungen aufgebaut, wobei primär Frauen, allenfalls auch deren Partner, angesprochen werden sollten. Seit Ende 1998 können auch Männer ohne Partnerin aufgenommen werden.

Die Versuche waren als Behandlungsansatz für Drogenabhängige gedacht, die mit bisher erprobten und eingeführten Therapiemethoden nicht mit befriedigendem Erfolg erreicht wurden. Die Versuche wurden wissenschaftlich ausgewertet. Aufgrund der Forschungsresultate erliess der Bundesrat einen dringlichen Bundesbeschluss, welcher durch die eidgenössischen Räte am 9.10.1998 in Kraft gesetzt wurde. Dieser Beschluss ermöglichte die Weiterführung der ärztlichen Verschreibung von Heroin bis längstens 2009. Nachdem in mehreren Volksabstimmungen das Schweizer Volk die weitere Durchführung von Heroinprogrammen immer deutlich bejaht hatte, wurde im November 2008 das revidierte Betäubungsmittelgesetz mit 68% Ja-Stimmen angenommen. Damit wurde die heroingestützte Behandlung definitv gesetzlich verankert.

Zur Zielsetzung gehört vor allem die Sicherstellung einer adäquaten medizinischen (psychiatrischen, allgemeinärztlich-infektiologischen) und psychosozialen Behandlung und Betreuung der aufgenommenen PatientInnen. Spezielles Anliegen des Zokl2 ist es, geschlechtergerechte Drogenarbeit zu realisieren.

Anzahl Behandlungsplätze
Die maximale Anzahl Heroinplätze im Zokl2 ist auf 1
60 beschränkt; eine ausgeglichene Verteilung zwischen Frauen und Männern wird angestrebt. Zusätzlich stehen Plätze für Methadonprogramme zur Verfügung.

Aufnahmebedingungen (für Heroinprogramm)

  • mindestens zwei Jahre schwer heroinabhängig
  • mindestens zwei gescheiterte Therapieversuche
  • mindestens 18 Jahre alt
  • Defizite im somatischen, psychischen oder sozialen Bereich.
Betreuungsangebot
Substitution: Die Verordnungen werden hinsichtlich Substanzen und Maximaldosierungen ärztlich festgelegt, unter Absprache mit den PatientInnen. Die Abgabe erfolgt mittels CDDD (Computergesteuerte diversifizierte Drogenverschreibung und -abgabe), was den PatientInnen ermöglicht, die Anzahl Bezüge pro Tag sowie die Einzeldosen innerhalb eines festgelegten Spielraumes selber einzuteilen.
Psychosoziale Betreuung: Diese erfolgt in Form von Einzelgesprächen bei einer therapeutischen Bezugsperson, die das Aufnahmeprozedere begleitet sowie bei sozialarbeiterischen Fragestellungen und psychisch belastenden Situationen zur Verfügung steht. Die kontinuierliche Betreuung erfolgt in der Regel im Rahmen von Gruppengesprächen sowie in therapeutischen Einzelgesprächen.
Somatische Betreuung: Das Zokl2 ist eine primär psychiatrisch ausgerichtete Institution, welche auch breite somatische Abklärungs- und Behandlungsmöglichkeiten anbietet.
Geschlechtergerechtes Angebot: Das Zokl2 legt den Schwerpunkt auf geschlechtergerechte Arbeit. Bei der Einrichtung und dem Betrieb der Poliklinik wurden entsprechende Erfordernisse berücksichtigt. Dies bedeutet, dass beim Betrieb der Poliklinik spezifische Angebote sowohl für Frauen als auch für Männer bestehen, im speziellen für Frauen eine gynäkologische Sprechstunde.

Kosten
Das Zokl2 ist im Rahmen der ARUD Zürich privatwirtschaftlich konzipiert. Die Behandlungskosten werden für die meisten BezügerInnen durch die Krankenkassen und zum Teil auch durch die Fürsorgeämter übernommen.

Vernetzung/Zusammenarbeit

  • Enge Zusammenarbeit mit den Polikliniken Zokl1 und DBB
  • Drogenkoordination PUK Zürich
  • Interessengemeinschaft privater Drogenhilfen
  • Andere Institutionen, die Heroinprogramme anbieten
  • Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung Zürich
  • Bundesamt für Gesundheit BAG

Wissenschaftliche Arbeit
Als eine über das BAG vernetzte HeGeBe-Institutionen (HeGeBe = Heroingestützte Behandlung) ist das Zokl2 in der nach wie vor durch das ISGF (Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung, Zürich) durchgeführten Begleitforschung integriert. Während es in der ersten Phase darum ging, den Erfolg des neuen Behandlungsansatzes zu überprüfen, steht jetzt vor allem die Studie zur Erfassung von Behandlungsplanung und -dokumentation im Vordergrund. Zudem wurden verschiedene Diplom-, Lizentiats- und auch Dissertationsarbeiten, insbesondere im Bereich "Drogen und Frauen", mit Unterstützung des Zokl2 realisiert.