SAMMSU-Kohortenstudie bestätigt: Opioid-Agonisten-Therapie wirkt. Der Versorgungsbedarf wird komplexer.
Die kürzlich veröffentlichte Analyse der nationalen SAMMSU*-Kohorte (2014–2024) liefert erstmals einen umfassenden Überblick über die gesundheitliche Situation von über 1’500 Patient:innen in der Opioid-Agonisten-Therapie (OAT) in der Schweiz. Ein Grossteil der teilnehmenden Patient:innen stammen von der Arud.
Erkenntnisse zusammengefasst:
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Die OAT-Population wird deutlich älter (Medianalter inzwischen ~51 Jahre).
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Chronische körperliche Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes, COPD oder Osteoporose treten früher und häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung.
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Psychische Erkrankungen und die gleichzeitige Einnahme vieler Medikamente sind sehr häufig.
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Die OAT ist wirksam: Illegale und intravenöse Substanznutzung nehmen über die Zeit klar ab.
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Die Gesundheitsrisiken verlagern sich weg von akuten substanzbedingten Schäden hin zu komplexen, chronischen, körperlichen Mehrfacherkrankungen.
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OAT-Angebote müssen sich von einer rein suchtmedizinischen Behandlung zu einer umfassenden, langfristigen und integrierten Versorgung weiterentwickeln.
Herzlichen Dank an unsere Patient:innen:
Ein grosser Teil der Teilnehmer:innen der Studie sind Arud-Patient:innen. Sie prägen diese nationale Datengrundlage wesentlich mit – und machen sichtbar, womit OAT-Patient:innen heute tatsächlich konfrontiert sind.
Hintergründe:
Eine Kohortenstudie begleitet eine klar definierte Gruppe von Menschen über längere Zeit, um zu beobachten, wie sich Gesundheit, Erkrankungen und Versorgungsbedarf entwickeln.
«OAT» Die Opioid-Agonisten-Therapie ist eine medikamentöse Behandlung bei Opioidabhängigkeit, kombiniert mit medizinischer, psychischer und sozialer Betreuung.
«SAMMSU»* steht für Swiss Association for the Medical Management in Substance Users und ist eine schweizweite Kohorte aus spezialisierten Behandlungszentren.
Philip Bruggmann, Co-Chefarzt Innere Medizin
Oliver Senn, Facharzt Innere Medizin
Institut für Hausarztmedizin, Universitätsspital Zürich, Universität Zürich
Klinik für Infektiologie und Infektionsprävention, Kantonsspital Aarau
Fondazione Epatocentro Ticino / Ingrado Suchtdienste, Lugano
Unabhängige Forschungstätigkeit, Basel
Swiss Hepatitis, Zürich
Stiftung Suchthilfe, St. Gallen
Privatpraxis, Lausanne / HepC Virtual Clinic, Lausanne
Klinik für Infektiologie, Universitätsspital Bern, Universität Bern
Les Toises, Sitten
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